Lena Kupke: Pause

buecherfreuden • 14. Mai 2026

Zurück bei den Eltern

Nach einer Panikattacke landet die Illustratorin Hanna zunächst im Krankenhaus und anschließend in Lüneburg in ihrem alten Kinderzimmer. Sie verliert ihren Job, und auch die Beziehung zu ihrem Freund Paul gerät ins Wanken. Die Ursache für ihre Instabilität – unerfüllter Kinderwunsch – wird von ihrem Umfeld totgeschwiegen. Obwohl Hanna die Liebe ihrer Familie spürt, gibt es doch niemanden, der sich wirklich um sie kümmert. Sie beantragt eine Reha, lernt den liebenswürdigen Alexander kennen und sucht nach einem Ort, an dem sie wirklich Pause machen kann.

Aus Hannas Ich-Perspektive erleben wir ihre schwankende Gefühlswelt sehr unmittelbar und authentisch mit. Ihre tragikomischen Erfahrungen als 36-Jährige, die wieder bei den Eltern lebt und deren eingespielten Alltag stört, wirken mit ihrem Detailreichtum, ihrer Ungeschöntheit und Beliebigkeit fast autobiografisch. Obwohl sich für Hanna am Ende eine mögliche, vorläufige Perspektive abzeichnet, bleibt vieles offen, eine klare Auflösung gibt es nicht. Dieses Gefühl von Echtheit und Ehrlichkeit sowie die oft witzigen Beschreibungen haben mir einerseits gut gefallen. Andererseits plätschert die Handlung über weite Strecken vor sich hin, und dadurch wirkte der Roman für mich stellenweise zu ungefiltert – eher wie eine Sammlung von Momenten als eine bewusst verdichtete Erzählung mit klarer Entwicklung. 


Einige Aspekte haben mich zudem irritiert: Paul erscheint als Lebenspartner in vielerlei Hinsicht problematisch, ohne dass Hanna dies selbst kritisch hinterfragt. Die Smartphone-Nachrichten zwischen Freunden und Bekannten sind so karikaturenhaft oberflächlich und sprachlich schwach, dass ich nicht weiß, ob sie überhaupt ernstgemeint sind. Auch Hannas Verhalten blieb mir an einigen Punkten schwer nachvollziehbar. Vermutlich richtet sich der Roman stärker an eine jüngere Generation, die darin mehr Wiedererkennung und Sympathie findet. Außerdem erinnern die oft episodenhaft wirkenden Szenen und der pointierte Humor immer wieder daran, dass die Autorin auch als Comedienne arbeitet – auf der Bühne würde diese Form vermutlich richtig gut funktionieren, als Roman blieb die Geschichte für mich jedoch insgesamt zu lose und zu wenig zielgerichtet. 


Lena Kupke: Pause

Erschienen am 15.5.2026 bei dtv. Bildrechte: dtv


Kurz & knapp: Eine authentische Momentaufnahme zwischen Stillstand und Neuanfang, mit viel Witz trotz bedrückender Erfahrungen.


Verortung: Leichte Unterhaltung | Beziehungen | Familie | Verlust | Neuanfang


Stimmung: tragikomisch 


Bücherfreude: 😊😊😊


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