Die Idee hat mir sehr gut gefallen. Obwohl Die Mitternachtsreise keine Fortsetzung ist, gibt es einen gewissen thematischen Zusammenhang mit Die Mitternachtsbibliothek, und es ist ein schöner Kniff, einzelne Schlaglichter auf Schlüsselsituationen eines Lebens zu werfen und daraus nach und nach die Geschichte eines Menschen entstehen zu lassen – noch dazu aus der Perspektive eines Mannes, der sein Leben von dessen Ende aus betrachten kann.
Leider hat mich der Roman trotzdem nicht besonders gefesselt. Solange Wilbur nicht eingreifen darf und eigentlich bereits auf dem Weg in die Ewigkeit ist, war für mich nicht ganz nachvollziehbar, warum er diese Reise mit dem Zug überhaupt unternehmen muss. Spannend wurde es für mich erst, als er beginnt, sich über das Verbot hinwegzusetzen und den Kontakt mit dem damaligen Wilbur zu suchen.
Die zentrale Botschaft – die Frage nach dem Wesentlichen – finde ich gut und wichtig. Allerdings wird sie für meinen Geschmack stellenweise etwas zu deutlich ausgesprochen, sodass mir Raum für eigene Gedanken und Interpretationen gefehlt hat.
Alles in allem ein leicht zu lesender Roman mit einem interessanten Konzept und einer schönen Grundidee, dessen Umsetzung mich allerdings nicht ganz überzeugen konnte.
Matt Haig: Die Mitternachtsreise
Erschienen am 21.5.2026 bei Droemer HC. Bildrechte: Droemer HC
Kurz & knapp: Ein interessanter Roman über Lebensentscheidungen, verpasste Chancen und die Frage, was wirklich zählt. Die originelle Grundidee fand ich allerdings spannender als ihre Umsetzung.
Verortung: Lebensreise | Rückblick | Sinn des Lebens | Liebe | Zweite Chance | Selbstfindung
Stimmung: nachdenklich * lebensbejahend * warmherzig * melancholisch
Bücherfreuden: 😊😊😊 ½










