Mina Roth: Im Bann des Erlkönigs

buecherfreuden • 15. Juli 2026

Düstere Märchenwelt

Seit ihrer Kindheit kann Zora Märchengestalten wahrnehmen, die für andere unsichtbar sind. Als eine kleine Fee sie um Hilfe bittet, gerät Zora an die Andraunen – magische Wesen im Umfeld des finsteren Erlkönigs. Durch eine Bindung an den Nachtmahr Silas wird sie gezwungen, ihm an die Umbra Academy zu folgen, die Schule der Andraunen. Dort versucht sie herauszufinden, wem sie vertrauen kann, während sie dem verschlossenen Kilian, Silas’ Leibwächter, näherkommt.


Die Grundidee der Geschichte fand ich zunächst sehr reizvoll. Leider hatte ich beim Lesen jedoch einige Schwierigkeiten mit der Umsetzung. Man wird ohne Erklärungen direkt in das Geschehen hineingeworfen, und innerhalb kurzer Zeit passiert sehr viel, ohne dass Zusammenhänge oder Motive wirklich greifbar werden. Auch Zora hinterfragt etliche Entwicklungen kaum, was es mir schwer gemacht hat, ihre Reaktionen nachzuvollziehen.


Generell wirkte die Hauptfigur auf mich oft widersprüchlich. Einerseits tritt sie als starke, unabhängige Heldin auf, andererseits trifft sie immer wieder Entscheidungen, die unüberlegt wirken und ihre tatsächliche Situation kaum berücksichtigen. Dadurch konnte ich emotional nur schwer eine Verbindung zu ihr aufbauen.


Obwohl das Buch als düstere Erlkönig-Geschichte angekündigt wird, spielt der Erlkönig selbst eine überraschend kleine Rolle. Einige Szenen besitzen zwar eine leicht unheimliche Atmosphäre, insgesamt fehlte mir jedoch sowohl die versprochene düstere Stimmung als auch die romantische Spannung. Vieles wird beschrieben, ohne dabei emotional spürbar zu werden. Auch die plötzliche Anziehung zwischen Kilian und Zora konnte ich kaum nachvollziehen.


Die magische Welt blieb für mich ebenfalls blass. Trotz Märchen- und Sagenwesen wirkte die Umbra Academy oft eher wie der Schauplatz einer modernen Internatsgeschichte mit den üblichen Rivalitäten und Konflikten. Moderne Kleidung und elektronische Geräte verstärkten diesen Eindruck zusätzlich.


Auch sprachlich konnte mich das Buch leider nicht überzeugen. Kraftausdrücke, holprige Formulierungen und stilistische Ungenauigkeiten haben meinen Lesefluss immer wieder gestört.


Ich kann mir gut vorstellen, dass die Geschichte vor allem jüngere Leserinnen anspricht, die schnelle Entwicklungen und dramatische Dynamik mögen. Mich persönlich konnte das Buch jedoch trotz interessanter Ansätze nicht wirklich mitreißen. Am sympathischsten war mir tatsächlich noch die kleine Fee.


Mina Roth: Im Bann des Erlkönigs

Erschienen am 16.7.2026 bei Magellan. Bildrechte: Magellan


Kurz & knapp: Interessante Ansätze und eine vielversprechende Prämisse, für mich jedoch mit zu wenig Atmosphäre, zu wenig nachvollziehbarer Figurenentwicklung und zu wenig echter Magie.


Verortung: Jugendbuch | Romantasy | Märchen- und Sagenwesen | Dark Academia 


Reihe: Im Bann des Erlkönigs 1


Lesealter: ab 14 Jahren


Stimmung: mysteriös * düster angelegt * spannungsvoll


Bücherfreuden: 😊😊


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