Ann Leckie: Der Rabengott

buecherfreuden • 1. Mai 2024

Götterkampf

Die Stadt Vastai wird von einer Gottheit beschützt, die im Körper eines Raben wohnt. Stirbt der Rabe, muss auch sein Sprachrohr, der menschliche Statthalter von Vastai, sterben, um für seinen Nachfolger Platz zu machen. Als Mawat, der rechtmäßige Thronfolger, in die Stadt kommt, muss er feststellen, dass sein Vater verschwunden ist, ohne sich gemäß dem Gesetz dem Rabengott zu opfern, und dass sein Onkel den Platz des Statthalters eingenommen hat. Während Mawat gegen seinen Onkel wütet und tobt, hält sein treuer Adjutant Eolo Augen und Ohren in der Stadt offen, um herauszufinden, wie es zu diesem Betrug kommen konnte.

Die Geschehnisse werden aus der Perspektive eines alten Gottes erzählt, der sich „Die Stärke und Geduld des Hügels“ nennt und in einem mächtigen Stein wohnt. Während er sich in der Du-Form an Eolo wendet und berichtet, was er von ihm und Mawat sieht, rekapituliert er parallel dazu seine eigene Geschichte über die Jahrtausende hinweg. Gegen Ende des Romans laufen beide Handlungsstränge zusammen und sorgen für einen überraschendes Schluss.


Die distanziert wirkende Erzählperspektive ist sehr ungewohnt und anfangs verwirrend, die Ausführungen des Steins sind umfassend, philosophisch und langatmig. Mich hat die Handlung um Eolo und Marwat mehr interessiert und es hat mich ein bisschen ungeduldig gemacht, dass die Vorgeschichte so viel Raum einnimmt. Die komplexe Welt der zahlreichen großen und kleinen Götter mit ihren Intrigen und Kämpfen und ihren symbiotischen Beziehungen zu den Menschen ist einerseits interessant, andererseits unübersichtlich und seltsam. Beim Lesen war ich hin und hergerissen zwischen Vergnügen und Langeweile.


Alles in allem ein anspruchsvolles, vielschichtiges, ungewöhnliches Buch mit einer langsamen Erzählweise, auf die man sich einlassen muss. Nichts für Leser, die Action, strukturierte Kapitel und Charaktere mögen, mit denen man sich identifizieren kann.


Ann Leckie: Der Rabengott


Erschienen am 16.3.2024 bei Klett-Cotta. Bildrechte: Klett-Cotta.


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