Lena Gilhaus: Verschickungskinder

buecherfreuden • 18. Mai 2024

Erfahrungen, die man nie vergisst

Vater und Tante der Autorin wurden als Kinder nach Sylt verschickt. Als Lena Gilhaus davon erfährt, beginnt die Journalistin zu ermitteln – was waren die historischen Hintergründe der Kinderverschickungen, wer betrieb die Heime, wovon war die Pädagogik geprägt, wie wurden die Kuren verschrieben und organisiert?

Sie stößt auf ein lang verdrängtes Kapitel deutscher Geschichte, kommt in Kontakt mit Betroffenen, erhält nach einigen Widerständen teilweise Einblick in Akten, besucht mehrere Einrichtungen. In ihrem Buch sammelt sie Erkenntnisse, Fakten, persönliche Erfahrungsberichte, Stimmen von Ärzten und Pädagogen aus verschiedenen Zeiten. 


Das Buch erzählt von erschütternden Kinderschicksalen, die millionenfach passiert sind, und das hat mich als selbst Betroffene sehr bewegt. Dank der Recherchen der Autorin kam nach und nach vieles ans Licht, was jahrzehntelang verschwiegen wurde – es ist unfassbar, wie hartnäckig sich ein solches System der Kindertraumatisierung mit Auswüchsen von Grausamkeit, Misshandlungen und Missbrauch ganz selbstverständlich halten konnte. 


Ein informatives, gut recherchiertes, aufwühlendes und wichtiges Buch.


Lena Gilhaus: Verschickungskinder


Erschienen am 6.7.2023 bei Kiepenheuer & Witsch. Bildrechte: Kiepenheuer & Witsch


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